Resilienz

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünscht für diese Welt.“ Mahatma Gandhi

Liebe Leserinnen und Leser,

heutzutage sind Unternehmen durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen geprägt von hoher Dynamik, Komplexität und tiefgreifenden Veränderungen. Es entstehen immer wieder neue Herausforderungen für die Organisation, Teams und jeden einzelnen Mitarbeiter. Erfolgreiche Unternehmen haben ein großes Interesse, ihre Mitarbeiter zu befähigen, diesen Herausforderungen in möglichst vielen Kontexten mit Widerstandskraft begegnen zu können. Diese Befähigung ist Voraussetzung dafür, dass Mitarbeiter ihre persönlichen Potenziale heben können, schnell reagieren und mutig entscheiden.

Arbeiten Sie in einer langfristig überlebensfähigen Organisation? Ist sie geprägt von innerer Dynamik, Lebendigkeit und Kraft? Haben Sie das Gefühl als Mitarbeiter und als Team reaktionsschnell und stabil gegen Krisen zu sein sowie mutig zu entscheiden? Gibt es das berufliche Umfeld, das die persönliche und professionelle Identität fördert und stabilisiert?

Unsere Antwort ist: ja. Wenn Organisationen über Resilienz verfügen, ist es möglich, dass Mitarbeiter sicher und mutig, reaktionsschnell und entscheidungsfähig werden.

Resilienz als Eigenschaft von Menschen und Teams

Resilienz ist ein Begriff, der seit den 1950er Jahren das Interesse der Psychologen und Soziologen auf sich zieht. Sie wird als die Fähigkeit des Menschen bezeichnet, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Man kann sie mit der inneren Widerstandskraft beschreiben, die wir besitzen um Krankheiten und Krisen zu überstehen. Resilienz bewahrt uns zwar nicht davor, aber sie hilft dabei, diese zu bewältigen. Sie macht uns von innen stabil und widerstandsfähig.

Eine Führungsperson besitzt gleichzeitig mehrere Rollen, für die sie Resilienz benötigt. Einerseits ist es die Raum schaffende und haltende Position. Andererseits lebt sie als Vorbildfunktion die Firmenphilosophie vor. Und schlussendlich hat sie eine beratende Rolle für Mitarbeiter. Resilienz ist eine Voraussetzung dafür, veränderte Arbeitsbedingungen als Herausforderungen zu sehen, optimistisch in die Zukunft zu blicken, an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten und aus Fehlern zu lernen. Sie unterstützt die Führungsperson dabei, trotz hoher Belastungen psychisch und physisch gesund zu bleiben.

Resilienz lässt sich nicht nur auf Einzelpersonen anwenden, sondern auch auf Teams übertragen. Bei Teams zeigt sich Resilienz insbesondere durch ein wertschätzendes Betriebsklima. Dieses Betriebsklima wird durch die Führungskraft unterstützt und aufrechterhalten. Im Speziellen bedeutet das, resiliente Teams begreifen sich als Summe der Stärken ihrer einzelnen Team-Mitglieder. Sie können mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, flexiblen Herausforderungen und Veränderungen umgehen und souverän agieren. Und sie werden durch gemeinschaftlich entschiedene formelle und informelle Prozesse und Regeln aufrechterhalten. Mitarbeiter von resilienten Teams verfügen über eine offene positive Fehler- und Feedback-Kultur.

Eigenwahrnehmung

Eigenwahrnehmung ist ein wichtiger Bestandteil von Resilienz. Sie erdet uns und gibt uns Wurzeln. Eigenwahrnehmung bedeutet für den Einzelnen, sich seiner Bedürfnisse bewusst zu werden und sich gleichzeitig mit den Bedürfnissen seiner Umwelt zu befassen. Es ist eine Wechselwirkung zwischen uns selbst und unseren Mitmenschen, die uns die Situation, in der wir uns momentan befinden, akzeptieren und ihr mit einer positiven inneren Haltung begegnen lässt. Eigenwahrnehmung ist dafür verantwortlich, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse kennenlernen und erfüllen und wir lernen dadurch, unseren Fokus auf das richten zu können, was gut ist.

Die Führungskraft trägt ihrer Rolle entsprechend im Prozess der Veränderung eine Verantwortung für ihr Team. Eigenwahrnehmung ist die Basis, auf der ihre Widerstandsfähigkeit aufbaut. Das bedeutet, dass eine Führungskraft erst dann beginnen kann, ihre vielfältigen Rollen ausreichend auszufüllen, wenn sie ihre Bedürfnisse kennt und danach lebt. Aus dieser Position der Ausgeglichenheit wird ein wertschätzender Umgang mit den Mitarbeitern möglich.

Übertragen auf Teams bedeutet Eigenwahrnehmung, dass sich die Mitglieder des Teams einig über ihre kollektiven Bedürfnisse sind. Sie kennen und leben die Bedingungen, die für alle erfüllt sein müssen, um möglichen Krisen und chaotischen Zuständen in einer dynamischen Welt mit Akzeptanz, Optimismus und Stabilität zu begegnen.

Reflektion

Ein weiterer Bestandteil von Resilienz ist unsere Stärke, „Ich“ zu sein. Unsere stabile Mitte. Diese Stärke bekommen wir aus den vier Merkmalen unseres „Selbst“:

  • Das Selbstbewusstsein verschafft uns die Bewusstheit darüber, wer wir sind, was wir können und wo unsere Grenzen sind.
  • Der Eigenantrieb ist eine von innen kommende Motivation, die uns zu sinnhaftem Handeln ermutigt.
  • Unsere Selbstliebe ist das Gefühl, uns selbst zu schätzen und so etwas wie unser bester Freund zu sein.
  • Sie fördert die Entwicklung der Selbstsicherheit, die uns immer wieder die Komfortzone verlassen lässt, um in der Unsicherheit noch weiter und größer wachsen zu können.

Die Fähigkeit zu reflektieren spielt für eine Führungskraft eine wichtige Rolle. Sie unterstützt diese dabei, sich selbst besser einschätzen zu können. Darüber hinaus stärkt sie die Führungskraft darin, kritisch über das eigene Denken und Handeln nachzudenken, dieses zu analysieren und zu verstehen. Eine reflektierte Führungsperson kann mit Kritik von anderen gut umgehen, hat mehr Verständnis für das Verhalten anderer und eine natürliche Neugierde, andere Verhaltensmöglichkeiten auszuprobieren. Sie ist selbst motiviert und mutig und gleichzeitig motiviert sie andere und macht sie mutig.

Auch Teams, die reflektiert vorgehen, werden motivierter und mutiger in ihrer Denk- und Arbeitsweise. Mitarbeiter werden sich in Meetings und Entscheidungsfindungsprozessen darüber bewusst, wofür sie sich als Gemeinschaft einsetzen. Der Gewinn aus diesem Prozess sind Eigenantrieb, Kreativität, neue Erkenntnisse und Toleranz für jeden Einzelnen, das gesamte Team und die Organisation als Ganzem.

Integration

Integration, als weiterer Bestandteil von Resilienz auch als „Energie“ bezeichnet, ist die Freude, an der Welt teilzunehmen und durch positives Sozialverhalten Glück im Umgang mit anderen zu erfahren. Sie ist unsere innere Motivation zu wachsen, zu lernen, uns weiterzuentwickeln, uns in das Leben zu integrieren und mit Menschen zu interagieren. Die Fähigkeit zur Integration wirkt auf unser Belohnungssystem und aktiviert die Bildung der Glückshormone. Integration bedeutet: mit einem guten Gefühl in jeden Tag starten, gerne ins Büro gehen, Sport treiben, Freunde treffen und Hobbies pflegen.

Die Führungskraft, die über diese Fähigkeit verfügt, gestaltet ihr Arbeits- und privates Umfeld, wie sie es braucht. Sie kann sich durchsetzen und abgrenzen, wo es nötig ist und lässt sich nicht von Stresssituationen ablenken. Stattdessen fokussiert sie sich auf machbare Schritte. Sie entwickelt über die wachsende Sozialkompetenz und den zunehmenden Menschenverstand nicht nur ihre innere Haltung weiter, sondern erweitert dadurch auch stetig ihr Netzwerk.

Teams, die die Fähigkeit der Integration kultiviert haben, leben ihr Arbeitsleben als Gemeinschaft. Das Wir-Gefühl überträgt sich auf das private Umfeld. Einzelne Mitglieder befassen sich mit den Sorgen der anderen und beteiligen sich an ihren freudigen Erlebnissen. Abgrenzung ist genauso erlaubt wie Freundschaften unter Teammitgliedern. Über den Gemeinschaftssinn entsteht kollektive Stärke und ein souveräner Umgang mit Herausforderungen sowie ein offenerer Umgang mit Kollegen, Kunden und Vorgesetzten.

Nutzen von Resilienz

Die Entwicklung von Resilienz spielt für den Einzelnen eine wichtige Rolle für die Lernphasen seines Lebens.

Wachsende Sozialkompetenz, mehr Freude am Leben, die Integration des Neuen und ein erweitertes Netzwerk machen Spaß und werden zur Normalität. Resilienz ermöglicht es dem Menschen, im Wandel widerstandsfähig zu bleiben.

Resilienz ist eine wesentliche Voraussetzung von Führungskräften, insbesondere in selbstorganisierten Teams. Sie erleichtert ihnen, flexibel mit den sich ständig verändernden Herausforderungen in der Organisation umzugehen. Zeitmanagement, Delegation, Motivation und Feedback begegnet eine resiliente Führungskraft gelassen. Sie kann auch den Anforderungen einer integralen Weltanschauung sowie den daraus entstehenden Fragen und Probleme mit Mut begegnen. Denn sie verfügt über die Möglichkeit, die eigenen und die Bedürfnisse der Mitarbeiter wahrzunehmen und zu erfüllen. Durch wiederholte Reflektion und mithilfe von flexiblem Verhalten gestaltet sie Wandel aktiv. Zudem ist eine resiliente Führungskraft aufmerksam, nah an den Mitarbeitern und dennoch ausreichend abgegrenzt. Sie sorgt stets für einen gemeinsamen Sinn und versteht es, sich selbst gegebenenfalls einer Entscheidung des Teams unterzuordnen.

Auf Teams übertragen bedeutet Resilienz, die gemeinschaftlichen Bedürfnisse zu kennen, reflektiert mit dem Verhalten in der Gruppe umzugehen und über Raum zur Entfaltung zu verfügen. Dies alles fördert die Weiterentwicklung des Teams, unterstützt dabei, Problemstellungen pragmatisch zu begegnen und gibt Mitarbeitern die Möglichkeit der Integration – sich also einerseits abzugrenzen und gleichzeitig zu identifizieren. Jedes resiliente Team im Unternehmen strahlt diese Stärke und Souveränität aus und stärkt damit die gesamte Organisation.

Fazit

Führungskräfte sind Teile von Teams, bestehend aus Team-Mitgliedern, die wiederum alle Teile von Unternehmen sind. Ein Unternehmen braucht, wenn es nach innen sowie nach außen dynamisch, lebendig und kraftvoll auftreten will, eine möglichst hohe Anzahl resilienter Teile. Resiliente Mitarbeiter sind reaktionsschnell, stabil, motiviert, mutig und kreativ. Dies steigert ihre Effektivität und schafft den Freiraum, sich persönlich und professionell weiter zu entwickeln. Resiliente Mitarbeiter stabilisieren die ganze Organisation und verleihen ihr so eine lange und erfolgreiche Existenz.

Im nächsten Blog erfahren Sie, wie ohne großen Aufwand über Spiral Dynamics Rücksicht auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Team-Mitglieds genommen werden kann, so dass dessen Resilienz gewährleistet ist.

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